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Vorankündigung: Themenwoche zum "Kaufmann von Venedig"

Auch im neuen Semester bieten die VHS und "Demokratie leben!" Aachen wieder gemeinsam mit dem Theater Aachen Themenabende zur inhaltlichen Begleitung einer neuen Inszenierung an. Anlässlich der Aufführung von William Shakespeares "Der Kaufmann von Venedig" (Regie: Ewa Teilmans), wird die Herausgeberin der "Shakespeare "Jahrbücher", Professorin Dr. Sabine Schülting von der Freien Universität Berlin, am 9. Oktober 2018 das vieldiskutierte Judenbild in Shakespeares Klassiker untersuchen und nach den aktuellen Dimensionen dieses Stückes fragen.
Der Vortrag von findet am 9. Oktober um 19:30 Uhr im Spiegelfoyer des Theater Aachen statt. Der Eintritt ist frei.

 

 „Sie nennen mich Ungläubiger, Halsabschneider, Hund“
Shylock und der Antisemitismus

Schmierereien an Synagogen und auf jüdischen Friedhöfen, Hassmails gegen jüdische Gastronomen, Einschüchterungen von jüdischen Schülern und tätliche Angriffe auf Kippa-Träger: In den vergangenen Monaten ist antisemitische Gewalt – nicht nur in Deutschland – wieder stärker ins Blickfeld geraten. In aktuellen politischen und populärkulturellen Debatten dienen judenfeindliche oder den Holocaust relativierende Positionen der Provokation und der medialen Selbstinszenierung. William Shakespeares Der Kaufmann von Venedig, ein Stück, das auf deutschen Bühnen seit den späten 1960er Jahren immer wieder für die Auseinandersetzung mit dem (deutschen) Antisemitismus und die Erinnerung an den Holocaust in Dienst genommen worden ist, scheint hochaktuell. „Sie nennen mich Ungläubiger, Halsabschneider, Hund und spucken auf meinen jüdischen Aufzug“, erinnert Shylock den venezianischen Kaufmann Antonio, als dieser sich Geld von ihm leihen will. In seiner bewegenden Rede im dritten Akt fragt Shylock seine Gegner, ob nicht auch ein Jude Augen habe, die Gewalt nicht ebenso fühle wie ein Christ. Gleichzeitig ist Shylock aber auch ein gnadenloser Wucherer und grausamer Rächer – eine Figur, die der langen Tradition des christlichen Antisemitismus entstammt. Der Vortrag will die prekäre Widersprüchlichkeit des Shylock, der gleichermaßen Produkt des Antisemitismus wie auch Mittel seiner kritischen Reflexion ist, in den Blick nehmen und nach dem Potenzial des Stücks für die gegenwärtigen Debatten um alltäglichen Antisemitismus und rassistische Stereotypisierung fragen.

 

Weitere Veranstaltungen der Themenwoche: Am 11. Oktober findet nach der Vorstellung des "Kaufmanns" ein Nachinszenierungsgespräch statt, am 14. Oktober lesen die Regisseurin sowie Mitglieder des Ensembles aus Shakespeares Werken.