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NRW rechtsaußen

Gewerkschaften im Visier der Neonazis

Aachen. In der Nacht zum heutigen Montag wurde das Aachener DGB-Haus durch mutmaßliche Neonazis attackiert. Mehrere Scheiben am Gebäude an der Dennewartstraße wurden eingeschlagen und zudem die Fassade mit rechten Parolen und Hakenkreuzen beschmiert.

In einer Pressemitteilung schreibt die DGB-Region NRW Süd-West, die Tat reihe sich in eine ganze Serie von „Wochenendaktivitäten“ der rechten Szene ein: „Nach dem Säure-Anschlag auf das Autonome Zentrum (AZ) am Freitag und den angekündigten Anschlägen(!) auf die Gästefans aus Sankt Pauli sowie auf die antifaschistische Demonstration am Samstag muss man den Vandalismus am DGB-Haus sehr wahrscheinlich der gleichen Tätergruppe zuschreiben.“

Foto: DGB Region NRW Süd-West.

Der DGB-Vorsitzende Ralf Woelk erklärte anlässlich des jüngsten Vorfalls: „Wir haben es hier in Aachen und dem Umland mit einer gewachsenen rechtsradikalen Szene zu tun, die sich mit permanenten Attacken auf ihre politischen Gegner und einer außerordentlich hohen Gewaltbereitschaft auszeichnet. Ein Verbot der dazugehörigen Strukturen ist das Mindeste was hier zu geschehen hat. Allerdings ist es auch schwer nachzuvollziehen, dass den Behörden bei dieser Vielzahl an rechtsradikal motivierten Straftaten in der Vergangenheit so wenige Festnahmen gelangen. Möglicherweise verzetteln sich hier die Behörden bei unnötigen Beobachtungen von demokratischen Organisationen beziehungsweise bei der Durchsetzung von hanebüchenen Polizeiauflagen bei antifaschistischen Demonstrationen.“ Es sei an der Zeit, dass der „braune Saustall“ ausgemistet werde.

Die DGB Region NRW Süd-West ruft seine Mitglieder dazu auf, sich an den Veranstaltungen gegen die Neonazi-Aufmärsche zu beteiligen, die für Eschweiler (31. März) und Stolberg (4. und 7. April) bereits angekündigt seien.

Insbesondere das Mittel der friedlichen Menschenblockade betrachtet Woelk als legitimes und effektives Mittel: „In Dresden, Jena und Köln hat man gesehen, dass es gewaltfrei und friedlich möglich ist, die braune Brut aus der Stadt zu halten, wenn sich genügend Menschen zusammen tun, um sich den Nazis in den Weg zu stellen. Was in anderen Teilen der Republik selbstverständlich ist, sollte auch in der Aachener Region möglich sein, ohne von den Behörden gleich als gewaltbereiter Autonomer diskreditiert zu werden.“


Angriff auf das „Autonome Zentrum“ / Bombendrohung gegen Alemannia Aachen


Bereits in der Nacht zum Freitag der vergangenen Woche war das „Autonome Zentrum“ (AZ) Ziel eines Angriffs: Bislang Unbekannte schütteten Buttersäure durch den Briefschlitz. Das alternative Kulturzentrum unweit des Hauptbahnhofes war in der Vergangenheit wiederholt Ziel militanter Neonazis. So wurden etwa Besucher/innen des AZ mit Stahlkugeln beschossen, eine Bombenattrappe platziert oder das Gebäude von einem langjährigen Aktivisten der „Kameradschaft Aachener Land“ mit Molotow-Cocktails attackiert.

Am Freitag berichteten Aachener Antifa-Gruppen zudem, dass ihnen eine Bombendrohung zugegangen sei. Demnach drohte eine "White Unity Underground Agency" per E-Mail damit, am vergangenen Samstag beim Spiel Alemannia Aachen / FC St. Pauli eine Bombe im Gästeblock des Tivoli zu zünden und zudem Sprengstoff an der Route der am selben Abend stattfindenden antifaschistischen Demonstration zu platzieren. Eine Ankündigung, die sich glücklicherweise als leere Drohung entpuppte. Denn spätestens seit der Verurteilung zweier Aachener Neonazis wegen der Vorbereitung von Explosionsverbrechen durch das Landgericht Aachen im Februar 2011 sollten keine Illusionen mehr darüber herrschen, welch terroristisches Potenzial in den Reihen der regionalen Neonazi-Szene versammelt ist. (dc)