Termine

FacebookTwitter

Frankenberger Viertel: Konflikt zwischen Antifaschisten und Neonazis spitzt sich zu

In Aachen spitzt sich derzeit ein Konflikt zwischen Antifaschisten sowie Neonazis und Hooligans zu. Vergangenes Wochenende und am Donnerstagabend gerieten dabei Antifaschisten und Neonazis im Frankenberger Viertel aneinander, weil die Rechtsextremen in dem linksalternativen Viertel immer provokativer auftreten. Auslöser für die aktuellen Konflikte scheint jedoch eine Auseinandersetzung zu sein, die schon im November ihren Anfang nahm.

Seinerzeit sollen zwei Neonazis Schüler einer Schule am Burtscheider Viadukt attackiert haben. Die Angegriffenen engagieren sich teilweise in der linken Szene. Laut Antifaschisten fand die Attacke am 2. November 2016 in einer Schulpause statt. Als Angreifer werden ein erwachsener Neonazi benannt, der aus Düsseldorf zugezogen ist und sich auch in der Hooligan-Szene bewegt, sowie ein Schüler einer benachbarten Schule an der Kurbrunnenstraße.

Dieser Schüler, der sich ebenso in der Neonazi- und Hooligan-Szene bewegt, wurde kurz darauf von Antifaschisten an seiner Schule mittels Sprühaktionen „geoutet“ und bedroht. Die Polizei nahm zum Gesamtkomplex ihre Ermittlungen auf. Doch schon am 9. November kam es erneut zu Vorfällen. Der junge Neonazi feixte provokativ mit zwei anderen „Kameraden“ am Rande des Pogromnachtnacht-Gedenkens am Synagogenplatz in Aachen. Er selbst mischte sich sogar provokativ unter die Mahnwache, so dass die Situation fast in einer wilden Schlägerei zwischen ihm und Antifaschisten gemündet wäre. Die Polizei sprach gegen den Störer einen Platzverweis aus.

Neonazis versuchten dann rund um Weihnachten und den Jahreswechsel im gesamten Frankenberger Viertel sowie im angrenzenden Burtscheid ihr Revier beziehungsweise ihren „Nazi-Kiez“ mit Aufklebern von „Syndikat 52“ (S52), der „Identitären Bewegung“ (IB) und der „Identitären Aktion“ (IA) sowie „Anti-Antifa“- und „Fuck Antifa“-Schmierereien zu markieren. „Syndikat 52“ ist die Nachfolgeorganisation der 2012 verbotenen „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL).

Das nahe gelegene „Autonome Zentrum“ (AZ), Treffpunkt für Antifaschisten, wurde zudem beklebt und mit Hakenkreuzen beschmiert. In einem anonym via Internet publizierten Bericht wurde wenige Tage später dann darauf hingewiesen, dass Anfang Januar zwei mit Schlagstöcken bewaffnete Neonazis AZ-Besucher, die gerade das linke Zentrum verlassen hatten, angegriffen haben sollen.



Das blieb nicht ohne Folgen. Anfang März „outeten“ Antifaschisten im Gegenzug den jungen Schüler und dessen beiden „Kameraden“, den aus Düsseldorf stammenden Neonazi sowie einen neonazistischen Musiker und Sohn eines bekannten Neonazis, erneut. Die Antifaschisten verteilten dazu im Wohnumfeld steckbrief-artige Flyer und bezichtigten das Trio, an Übergriffen beteiligt gewesen und für die Provokationen am 9. November an der Synagoge verantwortlich zu sein.

Am Sonntag (12.3.) sollen Personen aus dem rechtsextremen Spektrum dann provokativ versucht haben, ein Transparent an der Burg Frankenberg im Frankenberger Park aufzuhängen. Sie sollen dann von Antifaschisten mit Tritten und Schlägen attackiert und „verjagt“ worden sein. Donnerstagabend sollen dann ausgerechnet der Neonazi, der aus Düsseldorf zugezogen ist, und der rechtsextreme Schüler nahe einem Friseurgeschäft im Frankenberger Viertel unterwegs gewesen sein.

Erneut fielen sie Antifaschisten auf. Laut Polizei wurden sie von rund 10 bis 15 teils vermummten Personen unter den Augen von Passanten im Umfeld des Neumarktes angegriffen. Autos mussten abrupt abbremsen, Flaschen flogen und Pfefferspray wurde versprüht. Der Ex-Düsseldorfer wehrte sich mit einem Schlagwerkzeug, zahlreiche Streifenwagen der Polizei rückten an. Unterdessen weisen Antifaschisten darauf hin, sie seien von den Neonazis angegriffen worden und hätten sich nur gewehrt.

Indes wurden am Donnerstag zwei Vertreter aus der linken Szene von den Polizisten gestellt. Der junge Mann und die junge Frau wurden in Gewahrsam genommen, laut Antifaschisten wurde unterdessen dem Antrag der Staatsanwaltschaft auf Untersuchungshaft gegen sie durch ein Gericht stattgegeben. Nach der Auseinandersetzung am frühen Donnerstagabend sollen in der Nacht noch mehr als zehn Neonazis am AZ aufmarschiert sein, was erneut Auseinandersetzungen provoziert haben soll.

Am heutigen Sonntag demonstrierten auf dem Neumarkt zeitweise bis zu rund 150 überwiegend junge Menschen aus dem linken Spektrum gegen die Gewalt der Neonazis. Eine Rednerin forderte die sofortige Freilassung der „politischen Gefangenen“, die ihren Ausführungen zufolge lediglich inhaftiert worden seien, weil sie durch die Zeugenaussagen von Neonazis und Passanten gegenüber der Polizei ungerechtfertigt belastet worden seien.

„Syndikat 52“ ist im Großraum Aachen, also dem alten KAL-Gebiet, im neonazistischen, jugend(sub)kulturellen Bereich aktiv. Wie zuvor schon durch die KAL werden über S52 junge Interessierte angesprochen und angeworben sowie an die neonazistische Ideologie und Szene herangeführt. Überdies wildert man erneut auch in der Problemfanszene von Alemannia Aachen, um aktionsorientierte Hooligans und Jugendliche anzuwerben. (mik)