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Rechtsrock-Treffen im Raum Heinsberg

Wird der Raum Heinsberg nach einigen kleineren Versuchen zu einem neuen Anziehungspunkt für Konzerte und Parties mit Livemusik von Neonazis und Hooligans? Wie erst nun bekannt geworden ist, hat am 5. November 2016 ein großes Rechtsrock-Konzert in Heinsberg stattgefunden. Die Veranstaltung war höchst konspirativ und professionell organisiert. Selbst Polizei und polizeilicher Staatsschutz sollen erst Tage später vom Austragungsort des Musikfestivals erfahren haben.

Vor Monaten kursierten in den sozialen Medien und auf einer Internetseite Ankündigungen für das „Lichtbringer-Festival“, das für Anfang November geplant wurde. Angekündigt wurden die Rechtsrock-Bands „Frontalkraft“, „Brainwash“ (beide Ostdeutschland) und „Flak“ (Rheinland). „Frontalkraft“ ist eine seit Jahren aktive Band aus der Neonazi-Szene, die in dieser als ein Klassiker und als Kultband gilt. „Brainwash“ spielen moderneren Rechtsrock und sprechen besonders jüngere Neonazis an, die sich optisch vom klassischen Neonazi-Skinhead unterscheiden. „Brainwash“ sind in diesem Genre eine der bekanntesten Bands Deutschlands. „Flak“ aus dem Raum Bonn sollten beim „Lichtbringer-Festival“ erstmals seit vier Jahren wieder live auftreten. Derlei Ankündigungen und Programm machte das Konzert auch für überregionale Besucher sehr interessant.

Aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Partei „Die Linke“ ging nun hervor, dass besagtes Festival in Heinsberg stattfand. Behörden und Polizei wollten sich zu dem genauen Ort und den Besucherzahlen nicht äußern, die Polizei in Aachen spricht nur von einem „äußerst konspirativen Konzert“. Die Anmietung soll unter falschem Namen respektive falschen Angaben zur feiernden Gesellschaft in der Bürgerhalle Karken stattgefunden haben. Dass die Halle leicht abseits liegt, dürfte den Neonazis in die Hände gespielt haben.

Sie hatten als Ort vorab im Internet nur „Im Westen des Reiches“ angegeben. Besucher wurden am Nachmittag über Köln gelotst, bevor sie später über einen verschlüsselten Messaging-Service via Smartphone den eigentlichen Veranstaltungsort erfuhren. Alles verlief offenbar reibungslos, lediglich über anfängliche Tonprobleme durch einen ungeübten Hobbymusiker am Mischpult und das verspätete Eintreffen einer Band beklagten sich Besucher später in den sozialen Medien. An einem Infostand warben Neonazis zudem für einen großen Aufmarsch, der Mitte 2017 in Karlsruhe stattfinden soll. Alles sei „eine wunderschöne Mischung aus Politik und Musik/Spaß“ gewesen, hieß es über das Konzert später. Beworben worden war das Festival auch von der Nachfolgeorganisation der verbotenen „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL), die sich „Syndikat 52“ nennt.

Ausgerechnet Heinsberg und ausgerechnet wieder Karken. In der Bürgerhalle in Karken hatte schon im April 2011 eine höchst konspirativ organisierte „Geburtstagsfeier“ anlässlich des „Führer-Geburtstags“ von Adolf Hitler stattgefunden, organisiert von der 2012 verbotenen KAL. Bei diesem Treffen, zu dem Neonazis aus dem ganzen Rheinland, den Niederlanden und Teilen Norddeutschlands anreisten, wurde „der Führer“ gehuldigt. Die Fenster der Halle waren dabei mit Sichtschutz behangen und der Innenraum unter anderem mit Hakenkreuz-Flaggen „geschmückt“ worden.

Mit Hakenkreuz-Flagge marschierten seinerzeit wichtige Kader und Besucher ein, die über hundert Versammelten sangen dazu verbotene Nazilieder und man erbrachte gemeinsam den Hitler-Gruß. Ansprachen von KAL-Kadern, bei denen Redner unter anderem Hakenkreuz-Armbinden trugen, und der Auftritt einer Rechtsrock-Band gehörten im April 2011 zum „Programm“. Selbst seit Jahren aktive Neonazis zeigten sich verwundert, dass sich eine Neonazi-Gruppe wie die KAL traute, eine so offen nationalsozialistisch geprägte Versammlung abzuhalten. Wenige Jahre später fand indes erneut ein höchst konspirativ geplantes, größeres Rechtsrock-Konzert an selber Stelle statt.

Überhaupt scheint der Raum Heinsberg sich zu einer Art Mekka für Rechtsrock-Treffen zu mausern. Eine in der Neonazi-Szene ähnlich konspirativ vorbereitete „Party für Deutsche!“, die auf einem Szene-Flyer für den „Raum Aachen“ angekündigt worden war, fand am 5. September 2015 in Heinsberg statt. Bei dieser Veranstaltung trat auch der NS-HipHopper „Makss Damage“ auf, der durch Neonazis aus der Region unterstützt wird. Mitorganisiert wurde auch dieses Treffen von Personen aus dem Umfeld der verbotenen „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL). Die Neonazis nutzten dazu eine ehemalige Gaststätte mit Saal, die in Heinsberg als Partyraum vermarktet wird.

An selber Stelle fand zudem am 4. Juni 2016 eine „Record Release Party“ der rechtsextremen Hooligan-Band „Kategorie C“ (KC) aus Bremen statt. Seit dem Jahr 2007 hatten KC, die auch als „Hungrige Wölfe“ firmieren, mehrfach Konzerte für den „Raum Aachen“ beworben. Immer fanden diese aus Angst vor polizeilichen Verboten grenznah in Belgien oder den Niederlanden statt. Dass der Auftritt im Juni 2016 dann erstmals tatsächlich auch in Deutschland stattfand, kann man durchaus als Machtprobe der Band und deren Umfeld werten. Bei dem Heinsberger Ableger der Rockgruppe „Outlaws“ hatten KC im September 2016 erneut gastiert und sollen dabei an einem Wochenende auf einer Feier des „Outlaws Mc Heinsberg“ aufgetreten sein. KC kündigen für den 29. April 2017 erneut einen Auftritt im Kreis Heinsberg an. (mik)