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Bunter Protest gegen AFD-Veranstaltung in Hambach


Niederzier. In der Ortschaft Hambach der Gemeinde Niederzier haben am Dienstagabend rund 200 Menschen lautstark gegen eine Versammlung der rechtspopulistischen „Alternative für Deutschland“ (AfD) demonstriert. Deren Kreisverband Düren hielt eine Saalveranstaltung mit Parteichef Jörg Meuthen ab, den nach Parteiangaben knapp über 150 Parteimitglieder, Sympathisanten und Pressevertreter besucht haben sollen. Die Polizei nannte den Verlauf der Gegenproteste „friedlich und ohne gewalttätige Störungen“.

Aufgerufen zu den Gegenprotesten hatten das Dürener Bündnis gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Gewalt (BgR) sowie die Antifa Düren. Ähnlich breit aufgestellt war der Gegenprotest, vom jungen Punk und Linksautonomen bis hin zu Mitgliedern der CDU und Nachbarn des „Gaffel Häusgen“, in dessen Saal die AfD-Versammlung stattfand. Üblicherweise dient das Gasthaus örtlichen Vereinen als Stammkneipe und Festsaal. Die Polizei war mit einer Hundertschaft vor Ort und wollte so verhindern, dass Gegendemonstranten und AfD-Vertreter aneinander geraten.

Zeitweise kam es dennoch zu Wortgefechten zwischen den Rechten vor dem Gasthaus und den Demonstranten auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Die einen skandierten Parolen gegen Rechts, die anderen pöbelten vereinzelt zurück. Als BgR-Sprecher Karl Panitz den Wirt kritisierte und ankündigte, man werde auch künftig vor Ort sein, sollten Gaststättenbetreiber der AfD Räumlichkeiten zur Verfügung stellen, kam es zu Buh-Rufe vonseiten der AfD-Leute und Applaus bei den Gegendemonstranten. Als Panitz wiederum Zitate von AfD-Politikern verlaß, um zu belegen, dass die Partei politisch weit rechtsaußen steht, applaudierten die AfD-Vertreter dem BgR-Sprecher provokativ und höhnisch grinsend dafür.

Verlesen wurde im Rahmen der Gegenproteste ebenso eine gemeinsame Erklärung der im Rat von Niederzier vertretenen Fraktionen (SPD, CDU, Bündnisgrüne), wonach die Lokalpolitik keinerlei Verständnis dafür habe, dass eine AfD-Versammlung in Hambach abgehalten werden könne. Man sei strickt dagegen, dass derlei in dem Dorf oder anderen Teilen der Gemeinde stattfinde. Die AfD, heißt es in der Erklärung weiter, gefährde den sozialen Zusammenhalt und den Frieden in der Gesellschaft.

Die Gegenproteste wurden teilweise durch laute Musik aus dem Lautsprecherwagen begleitet, etwa durch Songs von Bands wie „Die Ärzte“ – mitgesungen überwiegend von den jungen Demonstranten – oder Musik der „Bläck Fööss“ – mitgesungen und schunkelnd begleitet nunmehr überwiegend von den Älteren. An der AfD-Versammlung nahm ein gemischtes Publikum teil, darunter neben NRW-Chef Martin E. Renner Menschen aus dem gehobenen Mittelstand (ein Bundespolizist, SUV- und Sportwagenfans, Unternehmer), aber auch Menschen, denen man anmerkte, dass sie nicht zu den Gewinnern in dieser Gesellschaft gehören.

Eine Frau aus Reihen der AfD-Gäste filmte zeitweise teilvermummt die Gegendemonstranten in „Anti-Antifa“-Manier ab und wurde von der Polizei deswegen ermahnt. Zwei Strafanzeigen wegen Beleidigung erstattete die Polizei gegen Nazigegner. (mik)