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Überfall auf Antirassismus-Demo hat Nachspiel vor Gericht

Aachen/München. Das Amtsgericht Aachen hat am Mittwoch den aus Österreich stammenden, in Bayern aktiven Neonazi Alexander D. wegen Widerstands gegen einen Polizisten und vorsätzlicher Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 2.400 Euro verurteilt. Zugetragen hatte sich der Vorfall im November 2013 am Rande einer antirassistschen Demonstration in der Aachener Innenstadt. Zwei weitere Rechtsextremisten wurden mangels Beweisen frei gesprochen, gegen einen Hooligan und einen offenbar ehemaligen Neonazi wird weiter prozessiert.

Die Bayern hatten seinerzeit „Kameraden“ in Aachen besucht. Nach dem Besuch eines Heimspieles von Alemannia Aachen und vor ihrem Erscheinen auf einer Geburtstagsfeier eines Aachener „Kameraden“ provozierten mehrere der Süddeutschen und Hooligans am Elisenbrunnen eine Demonstration, die sich für einen menschenwürdigen Umgang mit Flüchtlingen einsetzte. Es kam zu tumultartigen Szenen und Rangeleien.

Im Zuge der teils chaotischen Zustände versuchten Polizisten, eine weitere Eskalation zu verhindern. Einer der Beamten erteilte dabei dem provokant auftretenden D. einen Platzverweis. Nachdem er diesen mehrfach missachtete wollte der Polizist den stämmigen Neonazi abdrängen. Allerdings wehrte sich dieser, er soll nach dem Beamten geschlagen und ihn mit einem Schulterwurf ähnlich wie beim Judo oder Ringen zu Boden gebracht haben. Der Polizist erlitt Verletzungen an der Hand und am Arm. D. bestritt den Schulterwurf nicht, allerdings wollte er sich im Tumult lediglich gegen einen linken Angreifer verteidigt und den Polizisten als solchen nicht erkannt haben. Die Richterin glaubte dem einschlägig vorbelasteten Neonazi das nicht und verurteilte ihn zu der Geldstrafe. Das Urteil ist rechtskräftig.

Angeklagt wegen versuchter Gefangenenbefreiung waren Mathias D. (Freilassing) und wegen Körperverletzung gegenüber einem linken Demonstranten Thomas Sch. (München). Diese Vorwürfe konnten Zeugen jedoch am Mittwoch nicht bestätigen, daher wurden beide frei gesprochen. Alle drei Neonazis waren im Umfeld des unterdessen verbotenen „Freien Netz Süd“ (FNS) aktiv und bewegen sich heute in der neonazistischen Partei „Der dritte Weg“. Sch. sowie der als Prozessbeobachter nach Aachen mit angereiste Führungskader der Münchener Neonazi-Szene, Karl-Heinz Statzberger, gehörten vor vielen Jahren der terroristische Vereinigung um Martin Wiese an, die einen Sprengstoffanschlag auf die Grundsteinlegung des Jüdischen Gemeindezentrums in der bayerischen Landeshauptstadt geplant hatte.

Wegen weiterer Vorwürfe, die sie in dem Tumult begangen haben sollen, stehen in dem Prozess zudem der Aachener Hooligan Dimitrios T. sowie der ehemalige Aachener und Wahl-Münchener Daniel T. vor Gericht. Das Verfahren gegen beide wurde jedoch abgetrennt, weil in ihren Strafsachen noch Zeugen gehört werden sollen. Daniel T. will unterdessen den Kontakt zur Neonazi-Szene abgebrochen haben. (mik)