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NRW rechtsaußen

Rechtsterrorismus: „Oldschool Society“ - Ein Hauptverdächtiger stammt aus Düren

Region Aachen/Borna. Bei einer bundesweiten Razzia gegen eine rechtsextreme Gruppe wurde heute auch ein Neonazi inhaftiert, der aus Düren stammt und sich über Jahre in der unterdessen verbotenen „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL) sowie dem NPD-Kreisverband Düren bewegt hat. Nach Recherchen des MDR fand die Polizei bei diesem als „Vizepräsident“ der „Oldschool Society“ (OSS) firmierenden 39-Jährigen fertige Sprengsätze. Die Razzia durch Spezialeinheiten fand statt wegen des Verdachts der Bildung einer rechtsterroristischen Vereinigung. Dabei kam es zu vier Festnahmen, darunter auch Markus W.

Laut Bundesanwaltschaft sind er und drei weitere Beschuldigte dringend verdächtig, eine terroristische Vereinigung gegründet zu haben. Es wurden die Wohnungen der Festgenommenen und weiterer fünf Beschuldigter sowie weitere Räumlichkeiten durchsucht. Neben Sachsen waren von den Maßnahmen Nordrhein-Westfalen, Bayern, Rheinland-Pfalz und Mecklenburg-Vorpommern betroffen. An dem Einsatz waren insgesamt etwa 250 Beamte des Bundeskriminalamts, der Bundespolizei sowie der Polizeibehörden der betroffenen Bundesländer beteiligt.

Der als einer der beiden Rädelsführer verhaftete Markus W. stammt aus Düren und hat sich vor seinem Umzug ins Leipziger Umland über Jahre sowohl in der NPD als auch in der unterdessen verbotenen „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL) engagiert. W. war beispielsweise im „Ordnerdienst“ des NPD-Kreisverbandes Düren aktiv und fungierte ab 2005 sporadisch auch als Ordner bei NPD-Infoständen oder braunen Aufmärschen wie jenen in Stolberg.

Markus W. (rechts, von hinten) als Ordner bei einem Neonazi-Aufmarsch am 4. April 2009 in Stolberg bei Aachen. Foto: M. Klarmann

Bei der Gründungsfeier des NPD-Kreisverbandes Düren im Januar 2007 war er einer der Security-Mitarbeiter der NPD. Für die Partei fungierte er bei den Kommunalwahlen 2009 zudem in Düren-Stadt und im Kreis Düren als Direktkandidat in zwei Wahlbezirken, auch war er bei diesen Wahlen Kandidat auf den Reservelisten der NPD für den Dürener Stadtrat und Kreistag. Im Kommunalwahlkampf 2009 nahm er an einer Wahlkampfveranstaltung in der Dürener Fußgängerzone teil, bei der der damalige Parteichef Udo Voigt und der NRW-Landeschef der NPD, Claus Cremer, Reden hielten. In jener Zeit war der heute 39-Jährige auch KAL-Mitglied.

Ende 2007, Anfang 2008 verbüßte er – so gab W. einmal als Zeuge vor Gericht zu – eine Haftstrafe. Zeitweise bewohnte er die Dachgeschosswohnung über einer von der NPD stark frequentierten Gaststätte in der Nähe des Dürener Bahnhofs. Aus den Fenstern dieser Wohnung filmten und fotografierten Neonazis mehrfach antifaschistische und demokratische Demonstranten und veröffentlichten später Fotos von diesen im Internet. Seine Familie betrieb seinerzeit die NPD-Gaststätte, als sie jedoch um 2010 nach Sachsen umzog und dort als Gastronomen einen Neuanfang wagen wollte, verließ auch W. die Region Aachen. Die KAL wurde erst 2012 verboten.

W. und den anderen Beschuldigten sind laut Bundesanwaltschaft dringend verdächtig, sich spätestens im November 2014 gemeinsam mit weiteren Beschuldigten zu der rechtsterroristischen Vereinigung „Oldschool Society“ (OSS) zusammengeschlossen zu haben, wobei W. unter der Bezeichnung „Vizepräsident“ eine zentrale Führungsposition übernommen haben soll. Nach den bisherigen Ermittlungen der Bundesanwaltschaft war es das Ziel der Vereinigung, innerhalb Deutschlands in kleineren Gruppierungen Anschläge auf bekannteislamistische Fundamentalisten, Moscheen und Asylbewerberunterkünfte zu begehen. Zu diesem Zweck beschafften den bisherigen Erkenntnissen zufolge die vier Festgenommenen Sprengmittel für terroristische Anschläge der Gruppe.

Michael Klarmann