FacebookTwitter

Rechte Gewalt am "Autonomen Zentrum"

Aachen. Abermals haben rechte Hooligans und Neonazis am linksalternativen „Autonomen Zentrum“ (AZ) Auseinandersetzungen provoziert. Während die Linken davon sprechen, dass sie am gestrigen Montagabend von diesen angegriffen wurden, sagt Polizeisprecherin Sandra Schmitz, Auslöser für die Auseinandersetzungen sei ein „Streit“ zwischen zwei Personengruppen gewesen. In Polizeikreisen kursiert die Vermutung,  dass sich der Konflikt wegen einer „Outing-Aktion“ zugespitzt hat.

Laut Schmitz ermittelt nach dem „Vorfall von Montagabend gegen 20.45 Uhr“ das Kommissariat „Remok“ („Rechts motivierte Kriminalität“). So hätten mehrere Anrufer „eine tätliche Auseinandersetzung zwischen zwei größeren Personengruppen“ gemeldet. Beim Eintreffen der Beamten habe sich eine Gruppe bereits entfernt. „Nach den bisherigen Ermittlungen war während einer laufenden Veranstaltung im AZ eine Gruppe von Personen vor der Türe erschienen und geriet mit den dort anwesenden Besuchern des AZ in Streit.“ Vertreter beider Seiten hätten dann mit Flaschen und Holzstangen geworfen. „Verletzte Personen oder beschädigte Gegenstände wurden der Polizei nicht gemeldet“, sagt Schmitz.

Polizisten stellten kurz darauf sieben männliche Personen im Alter zwischen 22 und 27 Jahren im Bereich Harscampstraße und Kaiserplatz. „Unter diesen Personen befanden sich drei Personen, die in der Vergangenheit der Polizei als Rechtsaktivisten bekannt geworden sind. Es wurden Strafverfahren wegen Landfriedensbruch eingeleitet,“ sagt Schmitz. Bekannte Personen aus der organisierten rechtsextremen Szene seien indes nicht darunter. Erkenntnisse, dass die gestellten Personen durch rechtsextreme Aktivitäten und Straftaten aufgefallen seien, lägen in der entfernteren Vergangenheit, konkretisiert die Polizeisprecherin auf Nachfrage.

In Polizeikreisen werden die meisten der gefassten Personen eher in den Bereich Fußball-Gewalt eingeordnet, freilich solche mit Kontakten auch in die Neonazi-Szene. Ebenso ordnen auch Vertreter aus Aachens antifaschistischer Szene und das AZ die Rechten ein. Rund 20 „zum Teil vermummte und bewaffnete Neonazis“ hätten das AZ attackiert, stellen sie in zwei zum Teil gleich lautenden Stellungnahmen fest. Während das AZ als „Angreifer“ nur vage Mitglieder „von Westfront Aachen und der inzwischen verbotenen Kameradschaft Aachener Land“ (KAL) nennt, benennt eine anonym verbreitete Stellungnahme teilweise auch namentlich Personen. „Westfront Aachen“ ist eine rocker-ähnliche Vereinigung, die Mitglieder sind teilweise im Türstehergeschäft und in der Hooligan-Szene aktiv. Die Polizei umschrieb „Westfront Aachen“ in der Vergangenheit vage als „Streetgang“.

In seiner Stellungnahme übt das AZ scharfe Kritik an der Polizei, weil diese die Auseinandersetzung schlicht als „Streit“ umschreibt. „Ein Neonaziangriff“, heißt es dazu weiter, „hat nichts damit zu tun, dass Personen ‚in Streit geraten’. Verharmlosungen dieser Art dienen dazu, Angegriffene – die sich in die Räume des AZ geflüchtet hatten – und Angreifer gleichzusetzen und damit auch die Angegriffenen zu kriminalisieren und den Neonazi-Angriff als Streit unter rivalisierenden Personengruppen zu entpolitisieren“,  schreibt das AZ. Immerhin war das linke Zentrum in den letzten Jahren wiederholt ein Angriffsziel von rechtslastigen Hooligans und Neonazis, zuletzt im Anschluss an Attacken auf eine linke Demonstration.

In Polizeikreisen wird ein Zusammenhang zwischen einer "Outing-Aktion" und dem Vorfall am "Autonomen Zentrum" vermutet. Foto: Michael Klarmann

Was genau an diesem Abend geschah, will die Polizei nun ermitteln. Erste, sich stark widersprechende Aussagen von Anwohnern, den gestellten Rechten sowie Stellungnahmen aus Kreisen des AZ liegen den Ermittlern dazu schon vor. Dessen ungeachtet gehen Polizeikreise davon aus, dass die Eskalation damit zu tun hat, dass Unbekannte am Montagmorgen mittels anonymer Plakate, die sie im Stadtbild verklebten, rund 40 Vertreter aus der Neonazi- und Hooliganszene als „Nazis“ benannt haben. Auf den zwei im Stadtbild verklebten Plakatmotiven sind Namen und Fotos von jeweils 20 Personen publiziert. Überschrift: „Nazis aus der Deckung holen!“

Man wolle, so die anonymen Plakatkleber, diese „Nazis“ bekannt machen, weil sie immer wieder an Übergriffen beteiligt seien. Sowohl Neonazikader, als auch Personen aus der Hooliganszene und solche von „Westfront Aachen“ wurden so am Montagmorgen „geoutet“. Polizeikreise sehen hier einen Zusammenhang für die Eskalation vor dem AZ. Doch zu einer solchen Vermutung liest man in den Stellungnahmen der Antifa und des AZ nichts. In einem linken Internet-Forum kommentiert dessen ungeachtet ein anonymer, möglicherweise rechtsextremistischer User hämisch: „Also ich wusste ja gleich daß die Plakataktion nach hinten losgehen wird...“ (mik)