Termine

FacebookTwitter

Remagen: Braune Propagandalügen mit Unterstützung aus der Region Aachen

Remagen/Region Aachen. Rund 230 Personen folgten gestern einem Aufruf der rechten Szene zum jährlich im November stattfindenden „Trauermarsch“ im rheinland-pfälzischen Remagen. Unterstützt wurde die Demonstration wie auch in den Jahren zuvor von Neonazis aus der Region Aachen.

Seit 2009 finden in Remagen Aufmärsche der Neonaziszene statt. Anlass bietet die Internierung von Kriegsgefangenen durch die Alliierten in Kriegsgefangenenlagern entlang des Rheins – den sogenannten „Rheinwiesenlagern“. In ihrer Propaganda behaupten die Rechten, dass dort eine Million Menschen den Tod gefunden haben. Eine Lüge: Eine Kommission des Bundesministeriums für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte kommt zu dem Ergebnis, dass in allen Lagern zusammen rund 10.000 Menschen starben.

Unter den etwa 230 Neonazis waren auch Teilnehmer aus der Region Aachen. Foto: Max Bassin

Ungeachtet dessen versuchen die Neonazis die Geschichte des Zweiten Weltkriegs umzudeuten. Dem „Mythos der sogenannten Befreiung“ stellen sie die angeblich brutalen und unmenschlichen Lebensumstände entgegen, unter denen deutsche Kriegsverbrecher zu Unrecht unter den Alliierten gelitten hätten.

Dieses Jahr nahmen deutlich mehr Demonstranten als noch im Vorjahr den Weg nach Remagen auf sich. 2012 sind nur 160 Neonazis gezählt worden, gestern waren knapp 230.  Erstmals traten dieses Jahr auch Antifaschist/innen mit einer eigenen Demonstration dem Naziaufmarsch entgegen, an der sich knapp 400 Menschen beteiligten. 

Antifaschist/innen demonstrierten für ein Ende der NS-Verherrlichung in Remagen. Foto: Max Bassin

Die Route der rechten Demonstranten, an der immer wieder Antifaschisten/innen protestierten, musste daher verlegt werden. Remagener Bürger positionierten sich auf einer „Meile der Demokratie“ abseits der rechten Versammlung.

Bis 2011 organisierte das Aktionsbüro Mittelrhein den Aufmarsch. Da sich deren Protagonisten seit August 2012 vor Gericht verantworten müssen, stellte der Dortmunder Kreisverband der Partei „Die Rechte“ im vergangenen Jahr die technische Infrastruktur für den "Trauermarsch" zur Verfügung.

Unterstützung aus Aachen

Dieses Jahr stellten Neonazis aus dem Raum Aachen einen Teil der Infrastruktur bereit. Als Lautsprecherwagen der Neonazis kam zum Beispiel ein in Düren zugelassener Pritschenwagen zum Einsatz. Aufschriften lassen vermuten, dass es sich um ein Firmenauto eines Unternehmens für Garten- und Landschaftsbau mit Sitz in Vettweiß (Kreis Düren) handelt. Der ehemalige Anführer der seit 2012 verbotenen „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL), René Laube, soll bei diesem Unternehmen seit Jahren tätig sein. Laube war auch Teilnehmer an dem gestrigen Aufmarsch.

Als Lautsprecherwagen kam offenbar ein Firmenfahrzeug eines Unternehmens aus Vettweiß (Kreis Düren) zum Einsatz. Foto: Max Bassin

Auch André Plum, Aachener Kreisvorsitzender der Partei „Die Rechte“ und ebenfalls ehemaliges KAL-Mitglied, nahm an der Demonstration teil. Er fertigte Fotoaufnahmen der eigenen Demonstration, passierte mit Hilfe eines Presseausweises Polizeiabsperrungen und fotografierte mit seinem Smartphone Gegendemonstranten. Dass ihm die Pressefreiheit dabei kein ernstes Anliegen ist, stellte er eindrücklich unter Beweis. Um einem filmenden Journalisten die Sicht auf das Demonstrationsgeschehen zu versperren, stellte er sich demonstrativ vor dessen Kamera.

Ein weiteres ehemaliges aus dem Kreis Heinsberg stammendes Mitglied der KAL trat in Remagen ebenfalls als Teilnehmer der Demoorganisation in Erscheinung. Obwohl er nicht als Ordner ausgewiesen war, trug er ebenso wie diese ein Headset und wird in die interne Kommunikationsstruktur der Organisatoren eingebunden gewesen sein. Auch ein Sohn des langjährigen Kaders der nordrhein-westfälischen und niederländischen Neonazi-Szene und des gestrigen Demonstrationsanmelders, Christian Malcoci, der in Aachen leben soll, nahm an dem Aufmarsch teil. (mb)